Geschichtsausstellung

Die Geschichte der Flottmann AG spiegelt in markanter Weise die Geschichte des Ruhrgebiets im 20. Jahrhundert wider: vom Aufstieg eines Familienunternehmens zum weltweit agierenden Betrieb bis hin zum wirtschaftlichen Niedergang in Folge von Bergbaukrise und Strukturwandel.

Der erste Firmensitz des Unternehmens war Bochum. Nach einem Brand wurde das Werk 1902 in Herne angesiedelt. Mit dem 1904 erhaltenen Patent für den Druckluft-Bohrhammer mit Kugelsteuerung setzte ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung ein. Schon vor dem Ersten Weltkrieg machte Flottmann die Stadt Herne als „Stadt der Borhämmer“ international bekannt.

Überall dort, wo gebuddelt und gebohrt wurde, kannte man das Markenzeichen der Maschinenfabrik: Der laufende Mann mit dem Bohrhammer auf der Schulter stand für technischen Fortschritt und weltweites Renommee. Ähnlich wie die „Kruppianer“ in Essen identifizierten sich auch die „Flottmänner“ mit ihrem Betrieb.

In der Zeit des Nationalsozialismus erlebte das Unternehmen eine Phase der Hochkonjunktur. Allein im Herner Stammwerk arbeiteten 1939 über 1.500 Menschen. Das Familienunternehmen war eng mit der NSDAP verbunden und profitierte von der systematischen Ausbeutung von ZwangsarbeiterInnen während des Zweiten Weltkriegs.

Das Wirtschaftswunder zu Beginn der 1950er Jahre sorgte für ein Aufflackern der alten Leistungsstärke, aber dem Problemen des Strukturwandels stand der Bergbau-Zulieferer weitgehend hilflos gegenüber. Die Bohrhämmer und Kompressoren gingen, die Künstler und Artisten hielten Einzug. Seit 1986 sind die „Flottmann-Hallen“ ein bedeutender Kulturstandort der Region.

 

Die Ausstellung „Flottmann. Eine Zeitreise“ greift die vielfältige Werksgeschichte auf und kann in den Flottmann-Hallen täglich besichtigt werden.

Der Katalog zur Ausstellung: Ralf Piorr (Hg.): Flottmann. Eine Geschichte des Reviers, Klartext-Verlag, Essen Januar 2015, € 10,00.